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Dienstag, 7. Februar 2012
geistliches Wort | Drucken |

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.                                           Jesaja 58,10

 

Die Kritik der biblischen Propheten trifft ins Mark des Kapitalismus. Aber es ist keine Kritik im marxschen Sinne, die die Revolution – also die Zerstörung der Besitzver-hältnisse – zum Hauptziel hat.

Nicht die Armen werden zu den Waffen gegen die Reichen gerufen sondern die Reichen werden aufgefordert mit ihrem Reichtum etwas gegen die Armut zu tun.

Im Gegensatz zum Marxismus wird in der Bibel nicht der Reichtum an sich verurteilt. Im Gegenteil: wenn jemand genug zum Leben für sich und die Seinen hat, dann gilt das als ein Segen Gottes. Dieser verpflichtet allerdings dazu, mit diesem Reichtum etwas Gutes zu tun. So ist es z.B. den Grundbesitzern ausdrücklich verboten, auf ihren Äckern nach der Ernte eine Nachlese zu halten – denn dies ist das Recht der Armen (Lev 23,22). Dieses Prinzip hat auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden. So heißt es in den Grundrechten der Bundesrepublik Deutschland (Artikel 14 Absatz 2 Grundgesetz):  „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Die gängige Praxis sieht freilich oft anders aus. Und wir alle wissen es längst: Es kann nicht immer so weiter gehen wie bisher. Wenn in einem Volk – oder heute in einer globalisierten Welt - einige über ihre Verhältnisse leben, dann geht das über kurz oder lang zu Lasten vieler, die zu schwach sind um sich selbst ein Stück vom großen Kuchen abzuschneiden. Die ungebremste Übernutzung der Ressourcen der Natur und der menschlichen Arbeitskraft wird unreparable Schäden hinterlassen an der Schöpfung und an der menschlichen Seele.

Gott selbst aber zeigt, wie es anders gehen kann: seine Propheten üben Kritik an der gängigen Praxis des Umgangs der Menschen miteinander und zeigen auf, wie es anders werden kann. Und das Volk Gottes – zuerst die Israeliten im Ersten Bund und dann die Menschen des durch Christus in Kraft gesetzten Neuen Bundes – lebt nach den Maßstäben, die Gott ihnen zum Leben gegeben hat. Der Dienst am Nächsten der unsere Hilfe braucht, gehört darum seit Anfang an zu den vier Grundaufgaben der Kirche (neben Gottesdienst, Zeugendienst für das Evangelium und Gemeinschaft in beidem).

Auf den Einwand „wir können mit unserer kleinen Kraft ja doch nichts verändern“ begegnet Jesus übrigens mit dem Gleichnis vom Senfkorn.

Sieghard Löser

 
Losung für Dienstag,
07. Februar 2012

Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der HERR aber ist noch größer in der Höhe.
Psalm 93,4



Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.
Markus 4,39

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